Künstler und Persönlichkeiten aus Vöhrenbach
Josef Winterhalder d.J. (1743 Vöhrenbach - 1807 Znojmo) - Selbstbildnis - ©Bildarchiv Heimatgilde Josef Winterhalder d.J. (1743 Vöhrenbach - 1807 Znojmo) - Selbstbildnis - ©Bildarchiv Heimatgilde
Die Bildhauerdynastie Winterhalder
Eine Schwarzwälder Künstlerfamilie mit Wirkungsstätten in den süddeutschen und österreichischen Ländern zur Zeit der Habsburgermonarchie.

Obwohl das Schaffen und Wirken dieser Barock-Künstlerfamilie erst spät erforscht wurde und deren Werke noch im 19. Jahrhundert in den deutschen Handbüchern über Künstler und Kunstdenkmäler kaum Erwähnung fanden, können wir heute glücklicherweise doch auf ein reicheres Wissen über die Schaffenskraft dieser Familie zurückgreifen.
Aus den Anfängen einer ersten heimatbezogenen Erforschung entstehend entwickelte sich eine weitergehende Zusammenarbeit des Arbeitskreises Stadtgeschichte mit dem Museum Langenargen, das im Jahr 2009 eine Wanderausstellung über das Wirken von Josef Winterhalder d.J. in Langenargen zusammenstellte und der schöpferischen Leistung dieses Barockkünstlers einen würdigen Rahmen verlieh. Unser besonderer Dank gilt Herrn Prof. Eduard Hindelang, Museumsleiter in Langenargen.
Josef Winterhalder d.J. aus Vöhrenbach - ©Bildarchiv Heimatgilde Josef Winterhalder d.J. aus Vöhrenbach - ©Bildarchiv Heimatgilde
Die Zusammenarbeit eröffnete dem Arbeitskreis einen weitergehenden Blick in den Wirkungsbereich der mährischen Winterhalder in Znaim (Mähren), die eine doch erstaunlich hohe Anzahl von Kunstdenkmälern hinterlassen haben und von den dortigen Kunsthistorikern einer frühen wissenschaftlichen Betrachtung unterzogen wurden. Der Stellenwert der Langenargen-Ausstellung lässt sich auch daran messen, das die ungarische Nationalgalerie in Budapest und die tschechische Nationalgalerie für Kunst in Olmütz diese Schwerpunktausstellung selbst ausgestellt haben. Erstaunlicherweise ist der Künstlername Winterhalder in diesen Ländern ein Begriff und wird als Bestandteil der dortigen Kunstgeschichte auch wissenschaftlich wahrgenommen.
Das gesamtheitliche Bild über das Wirken dieser Künstlerfamilie, ausgehend von den heimischen Wirkungsstätten im Schwarzwald über Wien bis nach Mähren reichend, hat sich in den letzten Jahren nun ergänzt und mit den vorliegenden Buchquellen und den in der Vöhrenbacher Stadtkirche vorhandenen Winterhalder-Figuren können wir uns heute ein würdigendes Urteil über diese "bedeutende" Vöhrenbacher Künstlerfamilie bilden.
Winterhalder
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©Bildarchiv Heimatgilde ©Bildarchiv Heimatgilde
Adolf Heer
Bildhauer und Professor an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe
(*13. September 1849 in Vöhrenbach, + 29. März 1898 in Karlsruhe)

Werdegang:
Bildhauerlehre bei seinem Vater Josef Heer, 1868 bis 1871 - Besuch der Kunstgewerbeschule in Nürnberg - Schwerpunkt ornamentale, architektonische und plastische Studien, 1871 bis 1873 - Ausbildung in der Höheren Kunst in den Werkstätten der Berliner Meister Siemering und Calandrelli, verbunden mit dem Besuch der dortigen Kunstakademie. 1873-75 - Anstellung bei Professor Breymann in Dresden. 1877 bis 1881 - Auslandsaufenthalt in Italien - Fortsetzung der künstlerischen Ausbildung im Fachbereich Klassisches Altertum; ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung des Fürsten Carl Egon III. von Fürstenberg. 27. Juli 1880 - Anstellung Heers als Lehrkraft für plastischen Unterricht an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. 1. Juli 1881 - etatmässiger Professor bis zu seinem Tod. Eine Straße in der Geburtsstadt Vöhrenbach erinnert noch heute an den Künstler.

Bekannte Werke:
- Engel des Todes, Engel der Auferstehung - Gruftkirche der Fürsten zu Fürstenberg, Neudingen.
- Figurenschmuck an der Kunsthalle in Karlsruhe - Statuen Dürer und Holbein und allegorische Werke.
- Ehemaliges Scheffeldenkmal in Heidelberg.
- Donauquelle im Schlosspark von Donaueschingen.
- Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Karlsruhe.
- Allegorische Figurengruppe am Nordportal der Festhalle in Karlsruhe. 1944 durch Bomben zerstört.
- Sandsteinfiguren am neuen Rathaus in Heidelberg.
- Büste des Literaturhistorikers Gervines auf dem Heidelberger Bergfriedhof.
- Grabmal des Josef Viktor von Scheffels auf dem Karlsruher Friedhof.
- Zwei Bronzefiguren für die Aula der Heidelberger Universität.
- Figurenschmuck am Kaiserin-Augusta-Bad in Baden-Baden. 1963 durch Baumassnahmen zerstört.
- Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Osnabrück - im II. WK eingeschmolzen.
- Bronziertes Gipsmodell vom Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Karlsruhe.
- Unbekannte Frauenbüste.
- Schulterbüste von Josef Viktor von Scheffel.
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Cipri Adolf Bermann
Bildhauer
(*25. August 1862 in Vöhrenbach, +17. Mai 1942 in Luxemburg)

Werdegang:
Ausbildung zum Holzschnitzer in Furtwangen, danach Studium in München und am Polytechnikum in Zürich im Fachbereich Architektur. 1884 - zweijähriges Studium der Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Hermann Volz. Nach Abschluss des Studiums Leiter einer privaten Bildhauerschule in München. 1898 - Mitglied der Münchener Secession, 1903 - Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. In den Wirren des Dritten Reiches nach Luxemburg emigriert. Dort verlieren sich die Verbindungen nach Vöhrenbach. Eine Straße in der Geburtsstadt Vöhrenbach erinnert noch heute an den Künstler.

Über diesen Künstler liegen glücklicherweise nun genauere Informationen aus Luxemburg vor, die den weiteren Lebensweg und die künstlerische Entwicklung von Cipri Adolf Bermann in seiner neuen Wahlheimat beschreiben.
Bekannte Werke:
- Büste des Franz von Lenbach (1903), Marmor.
- Homer und Aristoteles an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg i. Brsg., Bronze.
- Le Centaure in der Orangerie im Garten des Thermalbades in Bad Mondorf.
- zahlreiche weitere Werke im öffentlichen Raum.
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Johann Dorer
Kunstmaler
(*14. Februar 1883 in Vöhrenbach, +28. Mai 1915 in Galizien)

Werdegang:
Selbstverfasster Lebenslauf von Johann Dorer,
... Johann Dorer besuchte von Ostern 1889 bis Ostern 1897 die Volksschule, die er mit gutem Erfolg absolvierte. Es folgte daran anschließend eine dreijährige Ausbildung an der Großherzoglich Badischen Schnitzereischule in Furtwangen, die er wiederum mit gutem Erfolg abschloss. Danach hatte er sich dazu entschlossen den Malerberuf zu erlernen. Seine Lehrzeit absolvierte er in der Werkstatt des Freiburger Malermeisters Rudolf Weber. Dieser war der Nachfolger des Freiburger Hofmalers Heidinger. Im Jahre 1903 beendete er dann seine Malerausbildung. Seine erste Arbeitsstelle als Maler führte ihn für ein dreiviertel Jahr nach Mannheim in die Werkstatt des Malermeisters Lehmann. Es folgten dann Anstellungen in Wiesbaden, Köln und Müllheim/Ruhr bis Ende 1904. Zu weiteren fachlichen Vertiefung seiner Fähigkeiten besuchte er für drei Monate eine Fachschule in München, daran anschließend folgte eine dreimonatige Anstellung in Stuttgart. Von Juni 1905 bis August 1906 wirkte er dann wieder in seiner Geburtsstadt Vöhrenbach. Es schloss sich dann eine kurze Anstellung bei dem Offenburger Kirchenmaler Henselmann an und vom 1. Dezember 1906 bis zum 1. März 1907 besuchte er nochmals eine Fachschule in München. Er arbeitete dann für zwei Jahre in Senftenberg/Brandenburg bei der Firma Georg Messenbrink als Dekorationsmaler. Während dieser Zeit führte in seine Tätigkeit oft in die Hauptstadt Berlin. Im Mai 1909 begab er sich dann wieder zurück in seine badische Heimat, verbunden mit der Absicht, sich dort selbstständig zu machen. Der Besuch des Vorbereitungskurses zur Meisterprüfung schloss sich dann an …. - hier enden die Aufzeichnungen.

Vöhrenbach, den 15. Dezember 1911, Johann Dorer
©Bildarchiv Heimatgilde ©Bildarchiv Heimatgilde
Johann Dorer erlag am 28. Mai 1915 bei Gassendorf in Galizien einer schweren Schussverletzung, die ihm im Verlauf eines Gefechtes zugefügt wurde; er befand sich erst 8 Wochen an der Front.




Links: Stadtansicht v. Johann Dorer, Gasthaus Engel und die alte Stadtkirche
Örtliche Werke:
- Reproduktion der Sixtinischen Madonna von Raffael - Pfarrhaus Vöhrenbach.
- Reproduktion der Madonna de la Sedia von Raphael – im Privatbesitz.
- Reproduktion der Stadtansicht Vöhrenbach´s aus dem 17.Jh. im Rathaus (1906 erstellt).
- Wandbilder im Gasthaus "Engel" Nebenzimmer.
    Darstellungen aus dem Hegau sowie Trachten aus dem Schwarzwald.
- Wandbilder im Gasthaus "Hirschen-Eck" im Nebenzimmer.
    Darstellungen von Langenbach (kurz vor dem 1. Weltkrieg - 1914 – erstellt).
- Bild vom Bruderkirchle - Privatbesitz.
- Porträtbilder seiner beiden Schwestern Karoline und Anna - Bildgröße 35x85cm
- Schwarzwälder Hof (Haus Reinhold Schätzle, Langenbach).
- Zahlreiche nicht mehr vorhandene Werke.
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©Bildarchiv Heimatgilde ©Bildarchiv Heimatgilde
Franz Josef Furtwängler
Gewerkschafter, Indien-Experte, Widerstandskämpfer, Landtagsabgeordneter (SPD) und Publizist
(*12. Juni 1894 in Vöhrenbach, +23. Juli 1965 in Vöhrenbach)

(tz) Der in seinem Geburtsort noch heute bekannte Publizist Franz Josef Furtwängler erweist sich als herausragende Persönlichkeit mit einem außergewöhnlichen politischen Lebensweg.
Die im Dezember 2010 erschienene Biografie Furtwänglers1), verfasst von dem Historiker Willy Buschak, eröffnet erstmals umfassende Einblicke in das ereignisreiche Arbeitsleben Furtwänglers und zeigt völlig unbekannte Sachverhalte auf. Furtwängler ist als Widerstandskämpfer und Mitglied der Widerstandsgruppe "Kreisauer Kreis" anerkannt.

1) Lieferbar, erschienen im Dezember 2010 - Klartext Verlagsgesellschaft in Essen, 272 Seiten, Abb., € 39,95, ISBN 978-3-8375-0387-6
Der Versuch einer Lebensbeschreibung
Franz Josef Furtwängler verfügte über eine einfache Volksschulbildung und erlernte nach Abschluss der Schulzeit den Beruf eines Schlossers. Er verließ sehr früh seine Heimatstadt und ging auf Wanderschaft. Eine ständige Unruhe, die anscheinend in ihm wohnte, führte in zuerst über Mannheim (1910) in den Mittelmeerraum; er arbeitete als Maschinist auf englischen und italienischen Dampfern und befuhr das Mittelmeer und Westafrika. Nachfolgend wandte er sich nach Paris (1912/13). Er arbeitete dort in einer der Pariser Automobilfabriken und besuchte Kurse am Lycée Charlemagne. Die in der Vöhrenbacher Schule vermittelten Grundkenntnisse in der französischen Sprache erwiesen sich hier nun als sehr hilfreich.
Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges veränderte sich auch das Leben Furtwänglers.
Als Maschinengewehrschütze kämpfte er an der Westfront und geriet 1917 in britische Gefangenschaft. Der schon gut französisch sprechende Furtwängler nutzte die Gelegenheit und eignete sich in kurzer Zeit umfangreiche englische Sprachkenntnisse an, die ihm die Verwendung als Dolmetscher in einem britischen Lazarett einbrachte. Es zeigte sich hier schon deutlich eine Begabung Furtwänglers für Fremdsprachen. Nach dem Ende des Krieges war Furtwängler zweisprachig ausgebildet und suchte eine neue herausfordernde Betätigung. Er absolvierte dann in den Jahren 1921/22 ein Studium an der neu errichteten AdA - Akademie der Arbeit - in Frankfurt.

Furtwängler muss sich schon früh zu einer sozialpolitisch und gewerkschaftlich interessierten Person entwickelt haben. Schon vor Ausbruch des Krieges hatte er als Gewerkschaftsmitglied (DMV) Kontakt zur sozialistischen Arbeiterbewegung und der SPD. Er besuchte 1910 Kundgebungen von August Bebel, oder dem Anarchisten Gustav Landauer, in Mannheim. Ludwig Frank, Gründer der Sozialistischen Arbeiterjugend und einer der Führer des revisionistischen Flügels der SPD, nahm Furtwängler unter seine Fittiche.
Furtwängler glaubte damals noch an den Zusammenbruch des Kapitalismus, an die Verelendung der Arbeiterschaft, an die scharfe soziale Trennung zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum.
Während seines Pariser Aufenthaltes kam er mit deutschen und russischen Sozialdemokraten in Kontakt, hörte Karl Liebknecht, Jean Jaurés, Leo Trotzki und Emile Vandervelde. Nach eigener Aussage wurde er durch Jaurés nachhaltig inspiriert und wertete dies als bedeutend für seinen weiteren Lebensweg.

Der Gewerkschafter
1923 begann Furtwängler seine gewerkschaftliche Karriere und trat als Seiteneinsteiger in die Dienste des Bundesvorstandes des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB, 1922 - 7 Millionen Mitglieder) in Berlin ein. Seine exzellenten Sprachkenntnisse hatten hierbei den Ausschlag gegeben. Als Assistent von Theodor Leipart, Vorsitzender des ADGB und Präsident des Reichswirtschaftsrates, unterstützte Furtwängler die Auslandsaktivitäten des ADGB und Kontakte zum Internationalen Gewerkschaftsbund. Furtwänglers Metier war hierbei die Betreuung ausländischer Gewerkschaftsdelegationen. Nebenbei publizierte Furtwängler in den folgenden Jahren in der Presse des ADGB. Bereits vor 1925 gehörte Furtwängler zum inneren Kreis des ADGB-Vorstandes und wurde als rechte Hand Leiparts bezeichnet. Er galt zu dieser Zeit als impulsiv, freundlich, humorvoll und intellektuell beschlagen. Es folgten Auslandsaufenthalte in Amerika (1925) und Indien (1926/27). Die von Furtwängler publizierten Reiseberichte und Analysen über Indien bestachen durch Sachkenntnis und erfuhren höchste wissenschaftliche Wertschätzung; er galt als einer der renommiertesten Indien-Experten in Deutschland.
Furtwängler entwickelte sich zum außen- und reparationspolitischen Experten des ADGB, gegen Ende der Weimarer Republik mit zusätzlichem Schwerpunkt auf Rationalisierung und Arbeitsbeschaffungspolitik (Gereke Kreis - Hinweis: Querfront). Als Spitzenfunktionär des ADGB führte Furtwängler Gespräche auf höchster politischer Ebene; 1932 wurde er vom ADGB als "Botschafter für besondere Fälle" auf das nationalkonservative Lager angesetzt (siehe auch Affäre Strasser).
Interessanterweise verfügte Furtwängler über gute Kontakte zu nationalkonservativen Kreisen; er war dort als Indien-Experte anerkannt und eingeführt. Mit dem Münchener Geopolitiker Karl Haushofer führte er einen intensiven Briefwechsel, mit dem Grafen Ernst von Reventlow, Herausgeber der Zeitschrift "Der Reichswart", traf er sich regelmäßig. Furtwängler erkannte sehr früh die Gefahr der NS-Bewegung und tastete über seine Kontakte den politischen Gegner ab. Es ist geradezu erstaunlich, mit welchem Personenkreis Furtwängler dabei in Kontakt kam. Er traf im "Salon Salinger" verantwortliche Redakteure und Herausgeber der unterschiedlichsten politischen Zeitschriften in Deutschland, Mitglieder der Organisation "Consul" (v. SalomonPlaas) - verantwortlich für die Ermordung von Mathias Erzberger und Walter Rathenau - und Vertreter rechtsnationaler Wehrverbände. Furtwängler verkehrte aber auch noch in anderen politischen "Salons" und traf dort auf weitere einflussreiche Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Politik. Fritz Tarnow (SPD) hat 1936 zugegeben, dass Furtwängler mit "Wissen" und auf "Wunsch" des ADGB auf eine Erkundungsmission in das gegnerischen Lager geschickt wurde.
Nach der Machtergreifung und der Zerschlagung der freien Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten wurde Furtwängler als gewerkschaftlicher Spitzenfunktionär 1933 zweimal verhaftet und für drei Monate inhaftiert; tauchte aber nachfolgend als Exilant für vier Jahre in Ungarn unter. Bereits zu dieser Zeit verfügte Furtwängler über gute Kontakte zum späteren deutschen Widerstand, in Person des Grafen Helmuth James von Moltke (der "Rote Graf"). Auf politischen Druck des Deutschen Reiches musste Ungarn 1938 die deutschen Exilanten ausweisen. Furtwängler kehrte nach Berlin zurück und schloss sich sofort der Opposition an, den aktiven Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Es folgte eine Anstellung als Fachmann für Südostwirtschaft am Berliner Institut für Konjunkturforschung, im August 1940 wechselte er in das Auswärtige Amt - Sonderreferat Indien -, damals geleitet von Adam von Trott zu Solz. Seit diesem Zeitpunkt nahm Furtwängler aktiv an den Tagungen des deutschen Widerstandes teil. Er lernte schon früh den deutschen Abwehrchef Admiral Canaris kennen (1939), hatte Kontakt mit oppositionellen Offizieren aus Adelskreisen und des OKW (Oberkommando Wehrmacht). Er schlug auch als möglichen Hitler-Attentäter Hauptmann Walter Stennes vor, ein erklärter Todfeind Hitlers. Als enger Mitarbeiter von Adam von Trott zu Solz bildete er das Verbindungsglied zur Widerstandsgruppe "Kreisauer Kreis", zu den verbotenen Gewerkschaftskreisen und der SPD. Furtwängler nutzte hier auch seine Verbindung zum SPD Reichstagsabgeordneten Julius Leber, der während des Exils von Furtwängler im KZ saß. 1941 trat Furtwängler eine dreimonatige Auslandsreise nach Ostasien an, die Gestapo betrieb Vorermittlungen und er wurde auf "Distanz" gebracht. Nach dem Attentat auf den Führer am 20. Juli 1944, und dem damit verbundenen Zusammenbruch des deutschen Widerstandes, tauchte Furtwängler im September 1944 unter. Sein damaliges Angebot an Adam von Trott zu Solz ihm zu einer Flucht in die Schweiz zu verhelfen schlug dieser aus, Trott zu Solz wurde kurz darauf in Berlin-Plötzensee hingerichtet (August 1944). Das gleiche Schicksal ereilte auch Julius Leber.
Furtwängler war noch kurzfristig als Handelskorrespondent bei der Firma Sommer & Runge in Dahme in Braunschweig tätig, versteckte sich dann aber wegen seiner Beteiligung an der "Juli Aktion" bis Kriegsende in Stühlingen, an der nahen schweizerischen Grenze. Furtwängler hatte das unglaubliche Glück, dass die kompromittierende Korrespondenz von Adam von Trott zu Solz von der Gestapo im allgemeinen Durcheinander liegen gelassen wurde.

Furtwängler beschrieb seine Aktivitäten im Widerstand später wie folgt: Vermittlung von Kontakten zu Sozialdemokraten und Gewerkschaftern, Ausarbeitung von Denkschriften über die zukünftige Entwicklung und Auswirkungen durch eine alliierte Besetzung Deutschlands durch verschiedene Besatzungsmächte, die zukünftige außenpolitische Orientierung eines neuen Deutschlands, Verfassen von Situationsberichten aus dem Ausland für oppositionelle Offizierskreise.
Nachkriegszeit
Im Mai 1946 erhielt Furtwängler eine zeitlich begrenzte Anstellung als Sachbearbeiter beim hessischen Landesarbeitsamt in Frankfurt. Ab April 1947 leitete er die AdA - Akademie der Arbeit - in Frankfurt und baute diese mit spärlichen Mitteln wieder auf. Es folgte kurz darauf ein Zerwürfnis mit den Gewerkschaftsspitzen im neuen Deutschland. Eine sich vermutlich aus früheren Jahren begründende Feindschaft im ADGB führte zur Isolation Furtwänglers und 1949 zu seiner Abberufung aus der AdA (neudeutsch "Mobbing"). In Bezug auf Furtwängler fällt hier ein dunkler Schatten auf die damaligen DGB-Funktionäre Reuter und Böckler, die ihn nach allen Regeln der Kunst diskreditiert haben. Der zur damaligen Zeit amtierende Vorsitzende der ÖTV, Adolph Kummernuß, sah sich aufgrund der ungerechten Behandlung von Furtwängler gezwungen eine scharfe Protestnote an Reuter zu richten.

Furtwängler setzte seine Tätigkeit als Angehöriger des Hessischen Staatsgerichtshofes fort (1948-50) und zog 1950 als hessischer Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis 27 - Wiesbaden - in das Parlament ein. 1951-52 war er Vorsitzender des Kulturpolitischen Ausschusses des Hessischen Landtags, 1954 wurde er vom Hessischen Landtag zum Mitglied der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten nominiert. Furtwängler schied nach einer Wahlperiode (1954) aus dem hessischen Landtag aus. Erwähnenswert ist noch, dass er als Vertreter der Gewerkschaften im Deutschen Rat zur Europäischen Bewegung ein entschiedener Befürworter der europäischen Integration war.
Als Dozent für Sozialkunde an der Staatlichen Ingenieursschule in Darmstadt setzte Furtwängler von 1955-62 seinen Berufsweg fort. Er kehrte 1962 mit seiner Ehefrau nach Vöhrenbach zurück, war aber als Referent für die ÖTV, IG-Metall, IG-Bergbau und der Gewerkschaft der deutschen Eisenbahner auch im Ruhestand immer noch tätig. Im Rahmen dieser Tätigkeiten entstanden mehrere Publikationen, ergänzend auch sein Buch zur jüngeren Geschichte der Stadt Vöhrenbach. Furtwängler verstarb 1965 und wurde in Vöhrenbach begraben, seine Grabstätte (Bild) existiert noch heute.
Furtwängler Biografie - ISBN 978-3-8375-0387-6 Furtwängler Biografie - ISBN 978-3-8375-0387-6
Was muss noch gesagt werden?
Franz Josef Furtwängler kann als schillernde Persönlichkeit mit einem ungewöhnlichen Lebensweg beschrieben werden. Von Lebensbrüchen gekennzeichnet, doch immer voranschreitend.

Eine politische Fehleinschätzung unterlief ihm 1932/33, als er für die Trennung der Gewerkschaften von der SPD optierte; Furtwängler und der ADGB glaubten durch Aufgabe der traditionellen gewerkschaftlichen Werte einer Zerschlagung der Organisation entgegenwirken zu können, es half aber alles nichts. In dieser Krise agierte Furtwängler unglücklich; auch sind zuweilen persönliche Widersprüche erkennbar.
Seine guten Kontakte zu nationalkonservativen Kreisen während der Weimarer Republik wurden ihm teilweise nachteilig ausgelegt; Furtwängler war hier aber als "Netzwerker" des ADGB tätig. Diese Rolle wurde bis heute kaum oder nicht ausreichend zur Kenntnis genommen.
Um Furtwängler "richtig" und vor allem "gerecht" beurteilen zu können, muss man sich zuerst mit den damaligen zeitpolitischen Verhältnissen vertraut machen - leichtfertig oder oberflächlich kommt man hier zu keinem richtigen Urteil! Diesen Ansatz greift die vorliegende Biografie von Furtwängler auf und führt den Leser eingehend in die Materie ein.
Furtwängler hat vom DGB (Deutschen Gewerkschaftsbund) keinen Dank erfahren, wurde aber von der SPD für 50 Jahre Parteizugehörigkeit geehrt. Vieles blieb im Dunkeln und Furtwängler geriet in eine "gewollte" Vergessenheit. Mit dem Erscheinen seiner Biografie korrigiert sich dieser Zustand nun!
Was bleiben muss, ist die Erinnerung an diesen Mann und sein Wirken. Unser Dank gilt deshalb dem Historiker Willy Buschak und dem Klartext-Verlag, die das Vergessene wieder in Erinnerung gerufen und Franz Josef Furtwängler ein literarisches Denkmal errichtet haben ...
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Colonel Paul Friedrich Straub (1865-1937) - Medal of Honor. Auswanderer, Oberst und Militärarzt der United States Army. Colonel Paul Friedrich Straub (1865-1937) - Medal of Honor. Auswanderer, Oberst und Militärarzt der United States Army.
Paul Friedrich Straub
U.S. Colonel and Surgeon, M.C.

Auswanderer, Oberst und Militärarzt der United States Army
36th Infantry, U.S. Volunteers - Träger der "Medal of Honor",
Direktor der National Library of Medicine - U.S. Department of Health, Education, and Welfare (1918-19).
(*3. Juli 1865 in Vöhrenbach, +25. November 1937 in Los Angeles)

(tz) Der in seinem Geburtsort fast vergessene Paul Friedrich Straub hat eine außergewöhnliche und besondere Auswandererkarriere durchlaufen.
Durch einen glücklichen Zufall öffneten sich neue belastbare Quellen, die nun eine weitergehende Schilderung oder Korrektur erlauben.
F.J. Furtwängler widmete dem ehemaligen Vöhrenbacher einen Absatz in seinem Geschichtsband, konnte aber aufgrund fehlender Quellen nicht näher auf den Lebensweg von Straub eingehen. Er konnte damals sicherlich nur erahnen, dass es sich bei Paul Friedrich Straub um eine hochinteressante Person handelt, die in der amerikanischen Militärgeschichte Spuren hinterlassen hat. Furtwängler stützte sich damals überwiegend auf eine Personenbefragung in Vöhrenbach, nach welcher Colonel Straub zum General (General and Surgeon) befördert wurde, nachfolgend aber im Rang eines Colonels verblieb; er verknüpfte dies mit einem politischen Hintergrund. In den amerikanischen Quellen lässt sich dieser Sachverhalt jedoch noch nicht nachvollziehen. Auch ließ sich die ausgewanderte Familie Straub nicht im U.S. Bundesstaat Ohio, sondern nachweislich in Iowa nieder.
Historie:
Im Jahr 1872 wanderte die Familie von Eduard Straub aus Vöhrenbach/Baden nach Amerika aus und ließ sich in Mount Pleasent, Henry, im Bundesstaat Iowa nieder. Der amerikanische Census von 1880 führte dann erstmals Eduard (engl. Edward) Straub als Farmer mit seiner Familie auf. Diese umfasste damals fünf Personen, darunter auch Paul Friedrich (engl. Paul Frederick), mit seinen Geschwistern Ernst (engl. Earnet) und Berta und die Ehefrau Adriana (auch Aurianne, Adreania, Addrienna).
Die Familie Straub anglizierte bereits bei Antritt der Auswanderung ihre Vornamen, bei der Ehefrau ergaben sich interessanterweise mehrere Auslegungen, die erst im amerikanischen Census dauerhaft bereinigt wurden. Alle benannten Personen sind in den Kirchenbüchern der Pfarrei St.Martin in Vöhrenbach aufgeführt, die Geburtsdaten stimmen mit der Auswanderer-Datenbank und den amerikanischen Census-Daten überein.
Die Familie wurde in der Deutschen Auswanderer-Datenbank des Historischen Museums Bremerhaven nachweislich erfasst (Emigrationsjahr 1872).

Paul Friedrich Straub (engl. Paul Frederick Straub)
Der Versuch einer Lebensbeschreibung

Ausbildung/Abschlüsse:
-
Mt. Pleasant’s public schools
- Iowa Wesleyan - College
- University of Iowa medical school, 1885
- M.C. (Master of Nursing)
- Universität Berlin (Deutschland) - Zusatzausbildung, 1892 [1]

[1] In Berlin bestanden zu dieser Zeit zwei international führende Institute für Militärmedizin
Adobe - Pdf  Diss.: Berliner Militärärzte im Labor von 1870-1895 (3,3 MB)

Militärlaufbahn:
Jahr
Ereignis
1892
Eintritt als Assistenzchirurg (Sanitätsoffizier) in das Medical Department Regiment
(U.S. Army's Medical Corps)
1897
Promotion zum Captain (Hauptmann u. Chirurg), 36th U.S. Volunteer Infantry
1898-1901 Kriegseinsatz gegen Spanien - Philippinen
1899/1900 Tapferkeitsbeförderung zum Brevet Major, 36th U.S. Volunteer Infantry
1906 Promotion zum Major (Vollrang), Verwendung im Stabsdienst
1906, 6. Okt. Verleihung der Medal of Honor
1906-10 Stabsdienst, Büro des Generalstabsarztes (Medical Corps)
1910-12 Stabsdienst/Ausbildung, Generalstab-Korps an der Heeres-Kriegsschule
1913 Promotion zum Lieutenant Colonel (Oberstleutnant)
1917 Promotion zum Colonel (Oberst)
1917/18 Kriegseinsatz im I. Weltkrieg, Verwendung im Generalstab - Europa
1918/19 Direktor (Librarian) der National Library of Medicine
1919, 6. Mai wegen körperlicher Beeinträchtigung in den Ruhestand versetzt
(Retired for physical disability)
Einsätze:
USS Maine, Schlachtschiff II. Ranges der U.S. Navy. Das Schiff explodierte am 15. Februar 1898 unter ungeklärten Umständen im Hafen von Havanna (Kuba). Von den 374 Mann der Besatzung wurden 266 getötet. Der Totalverlust des Schiffes wurde politisch instrumentalisiert und führte zum Kriegseintritt der USA (Casus Belli). USS Maine, Schlachtschiff II. Ranges der U.S. Navy. Das Schiff explodierte am 15. Februar 1898 unter ungeklärten Umständen im Hafen von Havanna (Kuba). Von den 374 Mann der Besatzung wurden 266 getötet. Der Totalverlust des Schiffes wurde politisch instrumentalisiert und führte zum Kriegseintritt der USA (Casus Belli).
Diente im Spanisch-Amerikanischen und Philippinisch-Amerikanischen Krieg, sowie im I. Weltkrieg.
Während der Spanisch-Philippinisch-Amerikanischen Kriege war Straub als Militärarzt und Captain (Hauptmann) der 36th United States Volunteer Infantry an den Kämpfen beteiligt. Er wurde dort für außerordentliche Tapferkeit während der Rettung und Versorgung von Verwundeten auf dem Schlachtfeld zweimal dekoriert und zum Brevet Major befördert (Potrero, Florida Blanca - Philippinen).
In Anerkennung seines außerordentlich heldenhaften Einsatzes zur Rettung eines verwundeten Offiziers unter feindlichem Feuer und der gleichzeitigen Abwehr eines gegnerischen Angriffs auf seine Kompanie am 21. Dezember 1899 auf den Philippinen (Zambales Mountains), wurde Major Paul Friedrich Straub nach mehrjähriger Prüfung am 6. Oktober 1906 die höchste amerikanische Tapferkeitsauszeichnung, die Medal of Honor, verliehen.
Der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt überreichte persönlich die Ehrenmedaille im Rahmen eines Festaktes in Washington.
U.S. Colonel - Medical Corps U.S. Colonel - Medical Corps
1910 veröffentlichte Straub eine Publikation über seine eigenen Felderfahrungen als Militärarzt - Medical Service in Campaign: a Handbook for Medical Officiers in the Field.
Straub zog 1917 als Colonel in den I. Weltkrieg und wurde auf dem europäischen Kriegsschauplatz eingesetzt (Generalstab, Medical Corps).
Am 6. Mai 1919 beendete Straub seine militärische Karriere als Colonel (Oberst) und Direktor der National Library of Medicine. Er zog nach Hollywood, Kalifornien, und später nach Los Angeles und praktizierte bis 1927 als Mediziner (Dr.). Paul Friedrich Straub verstarb am 25. November 1937 in Los Angeles und wurde in Iowa - Dubuque - begraben; er hinterließ eine Ehefrau und drei Kinder. Seine Grabstätte wird als Ehrengrab erhalten und dauerhaft gepflegt.
Der U.S. Bundesstaat Iowa hält die Traditionspflege seiner hochdekorierten Veteranen lebendig und erinnert in einer öffentlichen Ehrentafel (Webseite) an den Colonel Paul Friedrich Straub - State Historical Society of Iowa.

Die Nachkommen von Paul Friedrich Straub haben vor einigen Jahren Vöhrenbach überraschend besucht und ihre Ursprünge besichtigt.

Bildergalerie:
  • Colonel Paul Friedrich Straub
  • Linwood Cemetery - Dubuque - Dubuque County - Iowa, USA. ©Find A Grave Memorial
  • Alte Grabtafel - Linwood Cemetery - Dubuque - Dubuque County - Iowa, USA. ©Find A Grave Memorial
  • Neue Grabtafel - Linwood Cemetery - Dubuque - Dubuque County - Iowa, USA. ©Find A Grave Memorial
  • Medal of Honor - Army Version - ©U.S. ARMY CENTER OF MILITARY HISTORY
Quellen:
Kirchenbücher Pfarrei St.Martin in Vöhrenbach
FamilySearch.org (Mormonen)
U.S.-Bundesstaat Iowa
Öffentliche Censusunterlagen - USA
Find A Grave Memorial - USA
Medal of Honor
Privatarchiv
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Referenztafel
Biographische Lebensläufe in Vorbereitung

1. Familie Hepting - Weinhandlung
    Gönner der Vereine und der Gemeinde (Stiftungen, Schenkungen)
2. Familie Rappenegger - früher Weinhandlung Hepting
    Gönner der Vereine und der Gemeinde
3. August Ganter (1862-1938) - Heimatdichter
    Verbrachte seinen Lebensabend in Vöhrenbach
4. Karl Ketterer (1881-1940) - Erfinder u. Direktor der Daimler Benz AG
    Sohn des Vöhrenbacher Bürgermeisters Ketterer, Amtszeit von 1896-1911
5. Toni Merz (1895-1966) - Kunstmaler u. Kunsterzieher in der Lender-Schule in Sasbach
    "Toni Merz-Museum in Obersasbach"
6. Josef Rissler (1908-1982) - Holzbildhauer
    Schöpfer der Vöhrenbacher Subloderehans-Maske

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tz, 2011/12
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