Die Bregtalbahn
Eine verschwundene Nebenbahn zur Erschließung des Bregtals

Als sich in den letzten Jahren das Verkehrskonzept des HzL-Ringzuges als sehr erfolgreich erwies, wurde dies im oberen Bregtal mit Wehmut und Rückbesinnung auf die eigene Eisenbahngeschichte zur Kenntnis genommen. Mit der Stilllegung der Bregtalbahn endete der erste verkehrstechnische Anschluss des Bregtals an die große weite Welt und der heutige Betrachter empfindet angesichts der schnittigen HzL-Regioshuttle´s doch ein gewisses Maß an Bedauern. Was wäre, wenn die Bregtalbahn noch bestehen würde und die nahezu 14.000 Einwohner des oberen Bregtals ein solches Verkehrskonzept (integraler Taktverkehr) nutzen könnten?

Mittlerweile sind fast vier Jahrzehnte seit der Stilllegung vergangen und die letzten Zeugnisse der Bregtalbahn sind im Gelände nahezu verschwunden. Nachfolgend soll nun kurz an diese Nebenbahn erinnert werden.
Am Anfang war ...
Die Bregtalbahn erreicht Vöhrenbach - 20. Mai 1893 Die Bregtalbahn erreicht Vöhrenbach - 20. Mai 1893
Am 19. November 1874 beauftragte das "Großherzoglich Badische Handelsministerium" die General-Direktion der Großherzoglichen Staats-Eisenbahn mit dem Beginn der Vorarbeiten zur Erstellung einer Eisenbahnlinie in das obere Bregtal. Mit der beschlossenen Gesetzesvorlage vom 9. Mai 1888 wurde dann der Bau und die endgültige Linienführung genehmigt, diese beinhaltete nun auch den Anschluss an die Schwarzwaldbahn in Donaueschingen. Der zum Bau der Eisenbahnlinie notwendige Geländeerwerb wurde hierzu einem Ausschuss übertragen; dieser setzte sich aus Vertretern der an der neuen Bahnlinie liegenden Gemeinden zusammen. Als die Finanzierungsverhandlungen zwischen den einzelnen Gemeinden und dem Badischen Staat im Jahr 1891 abgeschlossen waren, wurde am 7. August 1891 auf der Gemarkung Allmendshofen mit dem Bau begonnen.

Die finanzielle Belastung der Gemeinden war nicht unerheblich. Im Fall der Stadt Vöhrenbach betrug der Eigenanteil stattliche 50.000 Mark. Als privater Unterstützer beteiligte sich die Weinhandlung Josef Hepting (Freiburg-Vöhrenbach) mit 3.000 Mark und die Orchestrionfabrik Imhof & Mukle mit 1.000 Mark an den Gesamtbaukosten. Die Gemeinde Langenbach wurde hier vergleichsweise mit 800 Mark, die Gemeinde Urach mit 1.500 Mark, veranlagt.

In relativ kurzer Bauzeit konnte bereits am 20. Oktober 1892 die Teilstrecke Donaueschingen-Hammereisenbach in Betrieb genommen werden, die feierliche Einweihung der gesamten Strecke erfolgte dann am 1. August 1893. Ein "Eröffnungszug" mit prominenten Teilnehmern fuhr hierzu von Donaueschingen über Vöhrenbach nach Furtwangen. Den Zug führte eine preußische T3 Lokomotive an, diese war nach dem damals schon verstorbenen Vorkämpfer für das Bahnprojekt - "Romulus Kreuzer" - benannt.

Preußische T3 Lokomotive
Preußische T3 Lokomotive - hier Baujahr 1905
Bild: Wikipedia - Gemeinfrei
Bahnhof Vöhrenbach Bahnhof Vöhrenbach
Der erste Betreiber der neuen Bahnlinie war bis 1897 das Badische-Eisenbahn-Konsortium H. Bachstein, danach erfolgte die Betriebsführung durch die SEG, die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft, aus Darmstadt.
Im Jahre 1901 kam es dann zu einem Verkauf der Teilstrecke Hüfingen-Donaueschingen an die Staatsbahn, verbunden mit einem eingetragenen Nutzungsrecht der Bregtalbahn für die Strecke bis Donaueschingen.
In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden nochmals Erweiterungen an der Strecke vorgenommen. Massive Empfangsgebäude mit anschließenden Güterhallen wurden errichtet, die Bahnhöfe wurden mit erweiterten Gleisanlagen ausgerüstet, die Signaltechnik wurde verbessert.

Die am 27. April 1891 erteilte Genehmigung zum Betrieb der Bregtalbahn, mit einer Laufzeit von 50 Jahren, wurde erstmalig am 24. Juli 1940 vom damaligen Reichsverkehrsministerium über den vorgesehenen Zeitpunkt hinaus verlängert - Anlage 4, 72 Ap 434/40 [1] (png - 6 KB).

Bahnhofsgelände Vöhrenbach - Einfahrt Triebwagen T 21
Bahnhofsgelände Vöhrenbach - Einfahrt Triebwagen T 21

Bhf. Vöhrenbach - Gleisanlagen

Am 1. Oktober 1953 wechselte die Betriebsführung der Bregtalbahn in die Hände der MEB, der Mittelbadischen Eisenbahn AG in Lahr/Schwarzwald.
Im Jahr 1971 fusionierte die MEG mit der Südwestdeutschen Eisenbahn GmbH in Ettlingen. Die Betriebsführung ging nun an die Südwestdeutsche Eisenbahn AG, Lahr/Schwarzwald über.

Bhf. Vöhrenbach - Güterzug mit Diesellok V70.01
Bhf. Vöhrenbach - Güterzug mit Diesellok V 70.01


Bhf. Vöhrenbach - Triebwagen VT 26
Bhf. Vöhrenbach - Triebwagen VT 26
Abriss - Bahnhof Vöhrenbach Abriss - Bahnhof Vöhrenbach
Seit 1970 tauchten erste Gerüchte über eine Stilllegung der maroden (?) Strecke auf, am 1. Oktober 1972 kam es dann zur vorläufigen Stilllegung der Bregtalbahn. 1974 wurde der größte Teil des Bahnkörpers entfernt; hier endet die Geschichte der Bregtalbahn.

"Mit vielen Hoffnungen der Gründer begonnen;
mit Protesten der Bewahrer zu Grabe getragen!"
Technische Daten der Bregtalbahn
Eingleisige Vollbahn mit 1.435 mm Spurweite, 33,4 km Gesamtlänge der Strecke, mit Gleisanlagen eine Länge von 39,2 km, 43% der Gleise lagen in Krümmungen, der kleinste Halbmesser betrug 230 m, 90% der Strecke lagen an Steigungen, Höchstgeschwindigkeit 50 km/h. Der Höhenunterschied betrug zwischen Donaueschingen und Furtwangen 200 m mit einem maximalen Steigungsverhältnis von 1:74. An Bahnbauten waren vorhanden: 9 Bahnhöfe, 2/3 Haltepunkte, 3 Brücken, 5 Privatgleisanschlüsse. Eingesetzter Oberbau - Form 5 und 6, Schienenlänge 9 - 72 m. Die maximale Achslast für Wagen betrug 16t (1971 - 20t), die größte Meterlast 6,4t.
Eingesetzte Fahrzeugtypen
1. Dampflok - Modell T3 - Bj. (ab 1882) - Bauart Cn2t - max. 40 km/h - Achsdruck 10-12t - 290 PS
2. Dampflok - Betriebsnr. 384 - Bj. 1927 - Bauart Dh2 - max. 40 km/h - Achsdruck 15,3t - 550 PS
3. Dampflok - Betriebsnr. 388 - Bj. 1927 - Bauart Dh2 - max. 40 km/h - Achsdruck 15,3t - 550 PS
4. Dampflok - Betriebsnr. 401 - Bj. 1941 - Bauart 1Ch2 - max. 60 km/h - Achsdruck 16t - 600 PS
5. Diesellok - V 70.01 - Bj. 1959 - Bauart B´B´ - 700 PS - Gmeinder & Co
6. Triebwagen - T 21 - Bj. 1930 - Bauart BvT2 - 54 Sitzplätze - max. 50 km/h - Gewicht 24,2t - 200 PS
7. Triebwagen - VT 23 (Aushelfsfahrzeug)
8. Triebwagen - VT 26 - Bj. (ab 1962) - Bauart A´A´/A´1´ - 70 Sitzplätze - max. 90 km/h -
    Gewicht 20,5t - 2 x 180 PS - MAN

In den ersten 40 Jahren des Bestehens der Bregtalbahn wurde diese ausschließlich mit Dampflokomotiven betrieben. Seit 1926 war auf der Bahn ein Triebwagenverkehr eingerichtet.
Streckenführung

Verlaufskarte Bregtalbahn
Bild: Wikipedia - Creativ-Commons-Lizenz - Lencer
Kursplan 1944/45

Kursbuch 1944/45
Bild: Wikipedia - Gemeinfrei
Verbleib des Fahrzeugparks
©Eisenbahnfreunde Breisgau ©Eisenbahnfreunde Breisgau
Der ehemals auf der Bregtalbahn eingesetzte Fahrzeugpark befindet sich heute überwiegend im Besitz der Eisenbahnfreunde Breisgau e.V. (EFB); bei der Achertalbahn ist die Diesellok V 70.01 noch im Einsatz (SWEG). Der VT 26 Triebwagen verkehrt noch auf SWEG-Strecken als Traditionsfahrzeug.
Eine T3 Lokomotive (!) der Bregtalbahn soll noch als Dampfveteran auf der elsässischen Rheinauenbahn - einer Güterbahnstrecke - von Colmar durch die Rheinauenwälder nach Neu-Breisach im Einsatz sein.

Der Verein betreibt seit Jahrzehnten die konservatorische Pflege seiner Fahrzeuge und es grenzt fast an ein Wunder, dass die auf der Bregtalbahn einstmals eingesetzten Fahrzeuge heute noch besichtigt werden können.
Die Eisenbahnfreunde Breisgau betreiben einen eigenen Museumszug, der in der Region als "Rebenbummler" bekannt ist.

Eine excellent aufbereitete Publikation zur Geschichte der Fahrzeuge mit vielen Details (technische Daten, Bildquellen, Zeichnungen) wird vom Verein angeboten. Wer sich für die Fahrzeuge der Bregtalbahn interessiert, wird in dieser Publikation fündig (ISBN 3-9807900-0-2)!
Quellen und Hinweise:
- Bregtalbahn 1893 - 1972, Donaueschingen - Furtwangen, Eisenbahnfreunde Donaueschingen, 1984.
- Der Bregtäler, Hans Frank, 1985, Furtwangen, 1985.
- Der Museumsdampfzug Rebenbummler, Beschreibung und Geschichte, Eisenbahnfreunde Breisgau, 2001
- Vöhrenbach, eine Schwarzwaldgemeinde im Industriezeitalter, 1961.
- Furtwangen, Beiträge zur Geschichte einer Stadt im Schwarzwald, 2009.
- Bildarchiv Heimatgilde Frohsinn
- [1] Archivalien SEG (Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft)

tz, 2010
oben