Die (frühen) Kelten im Bregtal
Das Krumpenschloss bei Hammereisenbach-Bregenbach (Stadt Vöhrenbach)
Eine vorgeschichtliche Befestigungsanlage als Teil eines frühkeltischen Siedlungsraumes?
Das Krumpenschloss bei Hammereisenbach-Bregenbach (Stadt Vöhrenbach)
Eine vorgeschichtliche Befestigungsanlage als Teil eines frühkeltischen Siedlungsraumes?
|
Von der Natur umschlossen liegt unweit von Hammereisenbach-Bregenbach ein großflächiges Bodendenkmal in den Wäldern verborgen.
Die vorhandenen Indizien lassen auf eine umfassende (früh-)keltische Siedlungsanlage und eine benachbarte Höhenfestung schließen. Die anzutreffende Anhäufung von historischen Stätten ist hier außergewöhnlich und wirft bei einer ersten Betrachtung des heutigen Geländes durchaus mehr Fragen als Antworten auf. Es kann jedoch unbestritten behauptet werden, dass sich in direkter Nähe zur althistorischen Bregfurt eine ungewöhnliche Ansammlung von archäologischen Plätzen befindet, die auf eine umfassende Besiedelung in vorgeschichtlicher Zeit (Eisenzeit) schließen lässt. Es ist sehr bedauerlich, dass die Wissenschaft (Fachbereich Archäologie) diesem Bodendenkmal bisher so wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat und somit keine durch Fundmaterial abgesicherten Erkenntnisse bis heute vorliegen! Es soll deshalb an dieser Stelle der Institution "Heimatforschung" ein Dank ausgesprochen werden, die sich mit Unterbrechungen nunmehr seit über einem Jahrhundert mit diesem Bodendenkmal beschäftigt und auf sich allein gestellt erste verwertbare Erkenntnisse zusammengetragen hat. |
|
Ungeachtet der vorherrschenden Meinungen und Positionen kann grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden, dass im Verlauf einer geophysikalischen Feldprospektion und/oder Suchgrabung eine völlig überraschende Fundlage zu Tage treten könnte.
Ob diese letztendlich zu einer Bestätigung eines (früh-)keltischen Siedlungsraumes im Bregtal führt, oder völlig andere Ansätze aufwirft, bleibt dahingestellt. Das (früh-)keltische Fürstengrab in Villingen (Magdalenenberg) und die angrenzende Siedlung auf dem Kapf haben sicherlich zu einer umfangreichen archäologischen Bestandslage geführt. Diese wirft aber nach wie vor grundlegende Fragestellungen auf, die möglicherweise erst durch Untersuchungen und Funde in Laubenhausen und dem Krumpenschloß zufriedenstellend beantwortet werden können - die Forschung bleibt hier noch Antworten schuldig. |
|
1. Ursprünge
Erste Hinweise in Karten tauchen zu Beginn des 17. Jhs. auf und übermitteln uns einen ersten Namen dieser Anlage - "Alt-Fürstenberg", oder das heutige "Krumpenschloss". Beide Namen stehen in keinem geschichtlichen Bezug zur Anlage. Konzentrierte sich die örtliche Aufmerksamkeit zunächst noch auf das Krumpenschloss und seine direkte Umgebung, tritt bald darauf noch ein weiterer Name auf, der nachfolgend erst den Blick auf eine sich nun abzeichnende Gesamtanlage öffnete - "Laubenhausen". Um die Gründe für die Existenz des Krumpenschlosses nachvollziehen zu können, ist es erforderlich, sich einleitend auch mit der Siedlung Laubenhausen näher zu beschäftigen. Was hat es nun mit dieser mächtigen Befestigungsanlage und der benachbarten Siedlung auf sich, wer hat sie erbaut und vor allem zu welchem Zweck, und wie ist das nähere Umfeld des Bregtals historisch zu bewerten? |
|
2. Art und Umfang der Siedlung Laubenhausen
Eine genaue Beschreibung der Siedlung Laubenhausen lässt sich im Rahmen dieses Berichtes nicht umfänglich wiedergeben und ist auch nicht beabsichtigt. Es sollen jedoch einige kennzeichnende Daten Erwähnung finden. Aufnahme 1991 - Die Ausdehnungsfläche der Siedlung Laubenhausen beträgt mindestens 70 ha und war ehemals von mächtigen Befestigungen (Abschnittswällen) umgeben. Diese weisen eine geschätzte Länge von mehr als 4 km auf und werden in einen Nord- und Südteil untergegliedert. Im Nordteil treffen wir heute noch auf bis zu 3 m breite Steinwälle mit einer Höhe von 0,8 m, teilweise noch mit Einfassungen. Im Gelände sind auch Doppelwälle mit einem Abstand von bis zu 10 m feststellbar. Die heute noch sichtbaren Befestigungsreste weisen auf einen gezielten planerischen Entstehungprozess hin, d.h. die Siedlung wurde nach und nach stärker befestigt und ausgebaut. Ohne Zweifel handelt es sich hier um eine beeindruckende Befestigungsanlage, die seinesgleichen sucht. Interessanterweise sind die stärksten Befestigungen nach Süden ausgerichtet. Es stellt sich hier die Frage, welche Bedrohung von dort einst ausging? |
|
Aktuelle Aufnahme - Da sich die früheren Untersuchungen überwiegend auf die Gemarkung der Stadt Donaueschingen konzentrierten, blieben die festgestellten und anzunehmenden Befestigungswerke auf Vöhrenbacher Gebiet, die die Ebene zwischen Krumpen- und Wilddobel nach Norden abschließen, bisher unbeachtet. Es deutet sich nun an, dass die bisherige Lage der Siedlung falsch angenommen wurde und "nicht" zwischen dem Laubenhausener Brunnen und dem südlichen Abschnittswall zum Liegen kommt, sondern nun auf der Ebene nördlich des Brunnens angenommen werden muss! Diese absolut sinnige Annahme fügt die bisher in der Luft hängenden Objekte Siedlung, Krumpenschloss, Krumpenweg und Bregfurt nun zu einem funktionalen Gesamtbild zusammen.
"Die befestigungstechnischen Vorteile dieser Bergspornlage mit Steilhängen erschließen sich von selbst und folgen antiken Mustern"! Die räumliche Ausdehnung der Gesamtanlage könnte sich noch erweitern, durch neuere Geländeaufnahmen konnte auf der gegenüberliegenden Seite des Bregtals, nahe dem Krumpenschloss etwas talabwärts gelegen, eine weitere Anlage gesichtet werden; eine genauere Beschreibung liegt aber noch nicht vor. |
|
In diesem Zusammenhang würden die am Tierstein feststellbaren Steinformationen auch einen Sinn ergeben und einen möglichen Vorposten erklärbar erscheinen lassen. Die nun anzunehmende Einbeziehung des Krumpenweges in den nördlichen Eingangsbereich der Siedlung, am Übergang des Krumpendobels zum Wilddobel, ist sinnig nachvollziehbar und ermöglicht die Kontrolle des der Bregfurt zustrebenden Krumpenweges. Das nun mögliche Konzept der "zirkularen Verteidigungsstellung", mit der Bregfurt als Mittelpunkt und den flankierenden Befestigungen des nördlichen Siedlungseinganges, des Krumpenschlosses, des möglichen Vorpostens am Tierstein und der lokalisierten Anlage gegenüber dem Krumpenschloss, könnte die strategische Beherrschung des Kreuzungspunktes von Bregtal und dem in Nord-Süd Richtung verlaufenden Krumpenweg durch den Schmelzdobel - in Richtung Magdalenenberg - zwingend abgesichert haben. Die Gewichtung der Nordbefestigung im Vergleich zur Südbefestigung dürfte sich somit deutlich verschieben. Auch kann die Südbefestigung mit ihren massiven Wällen dann als erste Verteidigungslinie angenommen werden, auf welche nachfolgend die auf der Höhe des Laubenhausener Brunnens quer über den Bergsporn (Ebene) verlaufenden Befestigungswerke, mit dem vorgelagerten südlichen Eingang zur Siedlung, als zweite Verteidigungslinie folgen. Die Südbefestigung könnte somit in der zeitlichen Abfolge als Erweiterungsbauwerk zur Siedlungsbefestigung angesehen werden. Das Nutzungskonzept der dadurch neu entstandenen geschützten Fläche erschließt sich derzeit aber noch nicht.
Derzeitiger Zustand Durch die frühe Anlegung von Holzabfuhrwegen wurde das gesamte Areal in Mitleidenschaft gezogen. Die extensiv betriebene forstwirtschaftliche Nutzung der letzten vierzig Jahre hat der Anlage mehr Schaden zugefügt als die vergangenen Jahrtausende zuvor. Auch hier ist ein permanenter Zerfall historischer Substanz zu beobachten. Aktuell 2011/12: Großflächiger Holzeinschlag mit schwerem Gerät! |
Keltischer Schild - La-Tène-Periode (Replika) ©armamentarium.de |
|
3. Das Krumpenschloss
Die Höhenfestung liegt in ca. 800 m Entfernung von Laubenhausen (neue Position) auf einem Höhenrücken, dem Schlossberg, und etwa 400 m von der alten Bregfurt Fischerhof entfernt. Die Anlage bildet ein Oval und dehnt sich mit einer Länge von 150 m nach Westen und einer Breite von 80 m nach Norden und Süden aus. Ein mächtiger Schildwall bildete im Westen einen Vorwall und wurde selber durch einen mit Erdreich aufgeschütteten Wall geschützt. Die Höhe des ehemaligen Schildwalles wird auf 10 m (?) geschätzt. Ein an der Abruchkante des Berges ehemals aufgesetzter Ringwall umgab die Anlage. Der gesamte Ringwall, wie auch der Schildwall, war mit zum Teil "behauenen" Steinbrocken verblendet, diese weisen eine beachtliche Größe auf und waren in "mörtelloser" Bautechnik aufgesetzt. Auch wurden Reste von erhaltenen Trockenmauern festgestellt (in sito), der Innenbereich der Anlage ist sehr flach gehalten. Noch heute zeugen die eindrucksvollen Reste dieser Anlage von der einstigen Größe. Der Aufbau der Befestigungswälle dürfte der Beschreibung der keltischen Wälle zur Zeit der römischen Okkupation Galliens geähnelt haben (Vorläufer des Murus Gallicus, oder der Pfostenschlitzmauer). Die Anlage selbst kann als wehrtechnisches Bauwerk angesprochen werden, eine andere Bestimmung erschließt sich derzeit nicht. Anmerkung: In der Fachliteratur werden auch schwer befestigte frühkeltische Handels- und Lagerplätze erwähnt, in denen die Waren geschützt aufbewahrt wurden! |
|
Hinsichtlich der heute zur Verfügung stehenden bahnbrechenden Möglichkeiten der Luftbildarchäologie und LIDAR-Scan-Technologie (Light Detection And Ranging) stellt es kein Problem dar, das Areal im Bereich des Krumpenschlosses und Laubenhausen einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.
Die Auswertung eines "hochaufgelösten" digitalen Geländemodells (DTM, DGM) könnte zu weitergehenden Erkenntnissen führen, sofern die derzeit zur Verfügung stehenden Geodaten des LV-BW nicht ausreichen (Raster-/Höhenauflösung). |
©geolas.com - rechnergestützte Auswertung von LIDAR-Scan-Daten - Visualisierung von abgeleiteten Modellen (DOM, DTM, DGM). LIDAR-Scan-Technologie durchdringt bewaldete Gebiete bis zum Erdboden (last echos); Vegetationsschichten und Bebauung können rechnergestützt entfernt werden und ermöglichen erweiterte Einblicke in die Topographie des Geländes. |
|
Im Hinblick auf die umstrittenen Positionen zu dieser Anlage, ist die Vermutung einer frühmittelalterlichen Befestigungsanlage (Krumpenschloss) eher unwahrscheinlich. Die im Frühmittelalter in Mitteleuropa existierenden zwei Burgenkreise des fränkischen bzw. fränkisch geprägten Raumes sind ausreichend erforscht und weisen bestimmte bautechnische Merkmale auf. Frühmittelalterliche Befestigungsanlagen sind im Gelände durch topographische und befestigungstechnische Merkmale charakterisiert und heben sich von den vorhergehenden, vorgeschichtlichen Befestigungen und den nachfolgenden der hoch- und spätmittelalterlichen Zeit deutlich ab. Gräben und Staffelung der Befestigungssysteme sowie die im Vorfeld angelegten Hindernisse sind für diese Zeit charakteristisch. Eine erste Befestigungsphase erfolgte erst in spätmerowingischer Zeit - 6./7. Jh. n.Chr. - und knüpfte an spätrömische Vorläuferbauten an, oder es handelte sich um vollständig neu angelegte Höhensiedlungen, deren Existenz und Gründung für diese Zeit durchaus belegt werden kann.
Rechtes Bild - Frühmittelalterliche Walltypen: (a) Zweischalige Trockenmauer, (b) Trockenmauer Holz-Erde Konstruktion mit Anschüttung (oben) und mit vorgesetzter Mörtelmauer und Türmen, (c) geschütteter Wall. |
|
Die heutigen oberirdischen Reste der Befestigungsanlage "Krumpenschloss" lassen hier aber keine grundlegende Übereinstimmung erkennbar erscheinen! Gerade die anzunehmende wehrtechnische Ausbildung der Toreinfahrt weicht hier grundsätzlich von den typisch frühmittelalterlichen Zangentoren ab. Dies gilt ebenso auch für die spätlatènezeitlichen Zangentore der deutlich größeren keltischen Oppida. Aufgrund des bekannten Wallverlaufs können auch Tangentialtore ausgeschlossen werden. Das Krumpenschloss lässt eine deutlich abweichende Befestigungstechnik vermuten und rückt funktional zunehmend näher an eine (früh-)keltische Siedlung Laubenhausen heran.
|
|
Zudem liegen urkundliche Quellen aus der frühmittelalterlichen Zeit vor; die Unterlagen reichen bis weit in die Merowingerzeit zurück und eine solche massive Anlage dürfte mit Sicherheit einen urkundlichen Nachhall erzeugt haben, sofern sie in diesem Zeithorizont neu errichtet worden wäre.
"Das Landesdenkmalamt klassifiziert das Krumpenschloss (Ringwall) als vorgeschichtliche Anlage und führt diese in der Liste der archäologischen Kulturdenkmale auf!" Bild rechts - Keltische Toranlage Otzenhausen in Verbindung mit einem Murus Gallicus (reduziertes Zangentor) - Spätlatènezeit - ©keltenring-otzenhausen.de
|
|
4. Befestigungstechnik
Der "Murus Gallicus" ist eine architektonische Technik des mörtellosen Mauerbaus, den vorwiegend die Kelten zum Bau von Befestigungsanlagen verwendeten. Die frühlatènezeitlichen Höhensiedlungen (480-380 v.Chr.) nutzten bereits diese Befestigungstechnik, entsprechende Vorläufer hat es mit Sicherheit gegeben. Es handelt sich beim Murus Gallicus im Prinzip um ein Fachwerk aus Holzstämmen und Holzbalken, dessen versetzte Zwischenräume mit Steinen und gestampfter Erde aufgefüllt wurde; die äußeren Mauerseiten waren mit einer Trockenmauer verblendet. |
|
Durch die sehr effiziente und wirksame Bauweise, die jedoch aufgrund ihres natürlichen Zerfalls (Verrottung des Holzes) nur eine begrenzte Lebenszeit aufwies, konnte die Mauer besser auf Belastungen durch Rammen reagieren und war somit den reinen Steinmauern/-wällen deutlich überlegen. Die Stabilität und Zähigkeit des Fachwerks leitete die Belastungen einfach weiter und verhinderte, dass bei geschlagenen Breschen die ganze Mauer einstürzte. Der Aufwand zum Unterhalt dieses Bauwerkes war jedoch erheblich und musste permanent erbracht werden. Heutige Schätzungen gehen davon aus, dass die Mauer alle 15 bis 20 Jahre erneuert werden musste (Fäulnisbefall des Holzes bei feuchter Umgebung).
Der Aufbau und die Festigkeit dieser Wälle wird in den römischen Quellen für die Zeit der (Spät)-Latènekultur eingehend beschrieben (De bello Gallico - Gaius Julius Caesar). |
|
Ergänzend ist noch anzumerken, dass es mehrere unterschiedliche Bauformen von keltischen Wällen gab. Beim sogenannten "Glaswall", auch "vitrified wall", wurden Steine durch ein starkes Grundfeuer verglast und bildeten eine miteinander verbackene Steinmasse, die mehrfach übereinander aufgebracht werden konnte.
Der schon erwähnte "Murus Gallicus" stellt eine Stein-Erde Konstruktion mit eingelegtem Holzfachwerk dar. Die Mauern sind trotz des Holzanteils "feuersicher" (neue Erkenntnisse) und können erstaunliche Höhen und Dicken erreichen. Mittlerweile wird hier ein abgewandeltes Bauprinzip angenommen, bei welchem die Fachwerkeinlage vertikal unterbrochen ist und ein Brand sich nicht fortsetzen kann (Bibracte). |
|
Verwandt zu diesem ist die "Pfostenschlitzmauer" (Kastenbauweise). Als Pfostenschlitzmauer werden typisch keltische Verteidigungsmauerwerke der späten Eisenzeit bezeichnet. Hier wurden vertikal in den Untergrund getriebene Pfosten mit längs und quer liegenden Ankerhölzer zu einem Kastensystem verbunden. In diesen "Schotten" wurden dann sorgfältig geschichtete Bruchsteine aufgesetzt. Die Außenseiten der Mauer waren ebenfalls mit einer Verblendung (Trockenmauer) versehen.
Interessanterweise wurde beim Oppidum von Manching (Spät-Latènekultur) eine vormalige Murus-Gallicus-Mauer durch eine Pfostenschlitzmauer ersetzt. Entsprechende bauliche Vorteile müssen anscheinend zu dieser Entscheidung geführt haben. Das verfügbare Abraummaterial in der Nähe von Bergbaustätten wurde sicherlich zur Erstellung dieser Wälle mit herangezogen, d.h. durch eine zusätzliche Steinschüttung konnten diese noch verstärkt werden. Es ist aber dringlich zu beachten, dass diese "Abraumhalden" selber im Gelände nicht als Wall verstanden werden. Die subjektive Differenzierung zwischen Wall und Abraumhalde kann durchaus zu irrtümlichen Ergebnissen führen. |
|
Zu welchen Bauleistungen die Kelten fähig waren zeigen die noch fast vollständig erhaltenen Befestigungswerke der Festung Dun Aonghus (auch Dun Aenghus) in Irland. Diese wird von einer mehrfachen Linie dicker Trockensteinmauern umgeben, die heute noch eine Höhe von 6 m aufweisen und in Ermangelung des Werkstoffes Holz vollständig in Stein ausgeführt wurden. Es handelt sich um eine der eindrucksvollsten Festungen in ganz Europa aus der vorchristlichen Eisenzeit. Der Name eines überlieferten irischen Keltenhäuptlings hat sich auf die Festung übertragen (Aonghus).
Sofern es die topographische Ausformung des Geländes zuließ, gliederten die keltischen Baumeister natürliche Hindernisse in die Befestigungswerke mit ein. |
|
5. Keltische Siedlungsgebiete
In vorgeschichtlicher Zeit bildete das heutige Süddeutschland den "Kernbereich" der nordwestalpinen Hallstattkultur (ca. 750-500/450 v.Chr.). Dieser verlief vom oberheinischen Raum über den Quellbereich der Donau hinausgreifend nach Osten. Aus diesen bekannten Anfängen entwickelte sich überschneidend die La-Tène-Kultur (5-1 Jh. v.Chr.), die sich nachfolgend in Mitteleuropa und Kleinasien verbreitete und bis Britannien und Irland ausstrahlte und deren Träger von der griechischen Geschichtsschreibung als Kelten (Keltoi, Galatai) und von den römischen Quellen als Gallier (Galli, Celtae) bezeichnet wurden. In einer verallgemeinerten Form lassen sich die Kelten wie folgt definieren: "Die Völker, die während der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends v.Chr. in Mittel- und Westeuropa lebten und die sich mit Hilfe von Dialekten der indoeuropäischen Sprachfamilie, die heute als das Keltische bekannt sind, verständigten (Stephen Allen)." Die prunkvollen Fürstenhöfe der frühen Kelten aus der nun endenden Hallstattzeit überstanden aber diesen Kulturwechsel nicht; diese wurden von den Neuerungen der La-Tène-Kultur im Sturm hinweggefegt. Die vormals nur unwesentlich kriegerisch veranlagten Hallstatt-Fürsten, die mehr dem Handel mit Rohstoffen, Waren und dem mediterranen Lebensstil zugewandt waren, gingen in diesem kulturellen Erdbeben zugrunde. Interessanterweise lassen sich in den Gräbern dieser Mächtigen auch nur wenige kriegerische Erzeugnisse nachweisen. Diese bevorzugten überwiegend reichlich verzierte eiserne Dolche in Schmuckscheiden, selten ist eine Lanze mit eiserner Spitze nachweisbar, Schwerter kommen so gut wie gar nicht vor. Bunt geschmückte Gewänder aus Schafwolle, Leinen oder versponnenem Dachshaar sowie schwere goldene Halsringe kennzeichneten diese Herrscher. Der brachiale Zusammenbruch aller tradierten Werte und Bräuche um 480 v.Chr. ist heute kaum erklärbar und stellte die damalige frühkeltische Welt auf den Kopf. Die La-Tène-Kultur brach mit allem vorher Bekannten und der Krieg griff nun bestimmend in die keltische Gesellschaft ein. Die Ausbildung einer feudalen Kriegerkaste und die permanente Anwendung des Kampfes und Krieges lässt sich nun an den überkommenen archäologischen Funden ablesen. Ab diesem Zeitpunkt sind nahezu in jedem Grab der keltischen Elite die "Werkzeuge" des Kriegers nachweisbar: Stoßlanze, Wurfspeer, Schwert, Dolch, Pfeil und Bogen, Schleuder, Scheibenpanzer, Helm, Schild und Streitwagen gehören nun zur Ausrüstung der keltischen "Kriegerfürsten". Als Standesabzeichen ist der goldene Ring am linken Handgelenk, oder eine goldene Schmuckscheibe, in den Einzelgräbern feststellbar - Keltische Kriegführung |
Keltisches Adeligenpaar aus Britannien um 200 v. Chr - Gemälde von ©Peter Conolly. Der dargestellte Kelte ist ein Angehöriger der Kriegerkaste. Das weißgekalkte Haar gehörte zum typischen Erscheinungsbild dieser stolzen Krieger und kann als spiritueller Hinweis auf das gewählte Totem gedeutet werden; in diesem Fall des Pferdes und der Pferdegöttin Epona. Die blaue Bemalung oder Tätowierung der Haut wurde durch die Verwendung des pflanzlichen Farbstoffes Färberwaid (Isatis tinctoria L., Deutsche Indigo) ermöglicht. Als Körperschutz trägt der Krieger das von den Kelten erfundene Kettenhemd, bestehend aus kleinen Eisenringen (in 4 in 1 Technik gefügt). Die römische Armee übernahm diesen erfolgreichen elitären Panzertyp nachfolgend als lorica hamata und setzte diesen in großer Zahl ein (Triarius-Manipel, später Regelpanzer). Der Schild ist noch ohne den eisernen Schildbuckel dargestellt, häufig wurden auf dem Schild spirituelle Motive aufgemalt. |
|
Die abbrechenden Funde der La-Tène-Zeit verweisen dann auf einen tiefgreifenden Strukturwandel zu Beginn der historischen keltischen Wanderbewegungen nach Italien und in die Balkangebiete. Es muss hier zu einer beträchtlichen Abwanderung keltischer Bevölkerungsteile gekommen sein. In der Po-Ebene und an der adriatischen Küste ließen sich um 400 v.Chr. die keltischen Stämme der Boier, Cenomanier, Lingonen und Senonen nieder; zu dieser Zeit endet auch die Periode der Hügelgräberkultur.
Kleinere Keltengruppen erreichten auch früh das Schwarze Meer und erscheinen dort als Verbündete der Makedonen. Nach einem Zitat des Strabon schworen die Kelten im Jahr 335 v.Chr. dem Eroberer Alexander dem Großen die Treue. Die überlieferte Treueformel lässt durchaus Rückschlüsse auf die Ehrhaftigkeit der Kelten zu und lautet wie folgt: "Wir wollen die Treue halten, oder aber der Himmel möge niederstürzen und uns zerschmettern, die Erde sich öffnen und uns verschlingen, das Meer sich erheben und uns ersäufen"! Sechzig Jahre später setzten die keltischen Tektosagen, Trokmer und Tolistobogier nach Kleinasien über; die Galater bekriegten Griechenland und wandten sich später ebenfalls nach Kleinasien. In die verlassenen süddeutschen Gebiete rückten im frühen 2.Jh. v.Chr nachfolgend die Stämme der Helvetier (Südwesten, Verbigener) und Vindeliker (Südosten) nach. Den römischen Quellen zufolge gliederten sich die Helvetier in vier Teilstämme (pagi) - Verbigener, Tiguriner, Tougener und Toutonen (unterschiedliche Autorenquellen). Nach den Aufzeichnungen von Julius Cäsar waren die Helvetier in Grenzkriege mit germanischen Stämmen verwickelt und wurden von diesen langsam aber beständig in die Nordwestschweiz abgedrängt (um 100 v.Chr.). Dem griechischen Geographen Ptolemaios nach, habe es in Süddeutschland eine Helvetier-Einöde gegeben. |
Keltischer Schild - La-Tène-Periode (Replika) ©armamentarium.de |
![]() www.eisenzeithaus.de In Ostercappeln-Venne wurde 2008 ein Gehöft aus der vorrömischen Eisenzeit gebaut. Die Idee ein Eisenzeithaus zu rekonstruieren steht im Zusammenhang mit dem Ausgrabungsprojekt Schnippenburg. Auf dem 3000 qm großen Areal soll nach der Fertigstellung wie vor 2300 Jahren gelebt und gearbeitet werden: Typische Nutzpflanzen der damaligen Zeit wachsen im Garten, im eingefriedeten Bereich grasen alte Haustierrassen, auf Schauflächen und Werkplätzen werden Ackerbau und Handwerk anschaulich dargestellt. Über einen befreundeten Kontakt kam hier ein Bezug zu diesem Projekt zustande. Dieses schließt eine wichtige zeitgeschichtliche Lücke und wird vorbildlich von der "unteren" Denkmalbehörde und dem Land Niedersachsen unterstützt. Es soll deshalb an dieser Stelle Erwähnung finden. |
Eisenzeithaus Venne - ©eisenzeithaus.de, Ausstellung Schnippenburg, deutsche Keltenforschung - Der Besucher kann hier erstmals in Deutschland eine Gegenüberstellung der Funde vom norddeutschen Ausnahmefundplatz Schnippenburg mit den Funden der am besten erforschten süddeutschen Keltenstadt, dem Oppidum Manching, erleben. |
|
6. Religiöse und kriegerische Bräuche
Die antike Geschichtsschreibung übermittelt in drastischen Berichten den von den Kelten angewandten Brauch der religiösen Menschenopferung. Der Geschichtsschreiber Diodor bestätigt die römischen Berichte zu den blutigen Riten dieses Volkes, in denen Hunderte von Menschen gepfählt, gekreuzigt und nachfolgend verbrannt wurden. Die Schlachtung eigener Frauen und Kinder vor dem Kampf, um die Götter günstig zu stimmen, wird den Galatern (Kelten) von den Griechen zugeschrieben. Inwieweit es sich hier um Kriegspropaganda handelte bleibt dahingestellt, die archäologischen Funde bestätigen jedoch grundsätzlich einen keltischen Opferbrauch. In Ribemont-sur-Ancre im Departement Somme wurde ein keltischer Kultplatz aus dem 3. Jahrhundert v.Chr. entdeckt; in dem untersuchten Areal von 150 mal 180 m wurden die Gebeine von etwa tausend geopferten Jugendlichen zwischen fünfzehn und zwanzig Jahren sorgsam aufgeschichtet ausgegraben. Kriegsgefangene wurden in Opferstätten in großer Zahl getötet und deren Körper auf Gestellen bis zur Verwesung zur Schau gestellt. Der Bericht von Cassius Dio (LXII 7) zur Opferung von Frauen an die Siegesgöttin Andate (Britannien, 60-61 n.Chr.) lässt sich kaum in der Öffentlichkeit wiederholen, der geschilderte Grad an Bestialität ist nur schwer wiederzugeben. Es ist aber zu bedenken, dass es sich hier um die überkommene Wahrheit der römischen Sieger handelt. Ob diese Darstellung die historischen Ereignisse korrekt wiedergibt, ist zu hinterfragen... |
|
"Die keltische Götterwelt wurde mit viel Blut beschworen".
Ein freiheitsliebendes, wildes und durchaus grausames Volk - wie so viele andere auch! Auch ist der Brauch des Witwenmordes am Gattengrab, sowie die Tötung von Grabgefährten als Beigabe feststellbar; gleichfalls wurden auch bevorzugte Knechte und Hörige zusammen mit ihrem Herrn auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ebenso ist die kriegerische Kopfjagd und Trophäen-Verehrung anhand archäologischer Funde bezeugt und begegnet vielfach in der keltischen Kunst. Dem keltischen Glauben nach war der Kopf der Wohnort der Seele und stellte ein besonderes mystisches Symbol dar. |
|
Rituale und spiritueller Glaube durchdrangen alle Aspekte des keltischen Kriegerlebens (La-Tène-Zeit). Der Hang zum Übernatürlichen umgab jeden Krieger und spiegelte sich im starken Bezug zur Natur wieder. Jeder Baum, Fluß, See und Berg wurde von einem besonderen Geist durchströmt; Quellen, Wasserläufe und Bäume galten als besonders heilig.
Zeremonien fanden an besonderen Orten, innerhalb von heiligen Eichenhainen (drunemeton), statt, während in Flüssen, Seen und Sümpfen rituelle Gegenstände als Opfergabe für die Götter versenkt wurden. Diese reichten von Waffen- und Schmuckgegenständen bis zu Tier- und Menschenopfer hin. Als besonders verehrungswürdige Tiere galten aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften wie Schnelligkeit, Wildheit und Treue, das Pferd, der Stier, das Wildschwein, der Rabe und der Hund. Das gewählte Totem wurde äußerlich erkennbar an der Kleidung und Rüstung dargestellt und sollte dessen Eigenschaften und Geist auf den Krieger übertragen. Die Trennung zwischen Alltagswelt und der Welt der Götter und Toten war gleitend; beide Welten existierten Seite an Seite und waren miteinander verwoben. Das Diesseits und Jenseits der Welten konnte in der keltischen Gedankenwelt wechselseitig durchwandert werden. |
Darstellung des keltischen Gottes Cernunnos (Celticum) auf dem Kessel von Gundestrup. Das Hirschgeweih taucht als ritueller Gegenstand auch in Opfergruben/-brunnen auf. |
|
Weitere Informationen zur keltischen Kultur:
Karte - Frühkeltische Siedlungsgebiete (JPEG - 88 KB) Keltische Kunstobjekte - Hallstatt-Periode - Univ. Mainz - Pdf 8,4 MB Keltische Kunstobjekte - La-Tène-Periode - Univ. Mainz - Pdf 3,5 MB ATUATUCA - Ein etwas anderes keltisches Internetprojekt
Literatur:
- Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar,- Die Geschichte des Oberen Bregtals - Heribert Saldik Download möglich (Pdf - 1,7 MB) - überarbeitete Fassung 2011 Band 37 - 1991, Download möglich (Pdf - 37 MB)! - Die Frühen Kelten - Konrad Spindler - Die Kelten - Alexander Demandt - Die Kelten - Wolfgang Meid - "De bello Gallico" von Gaius Julius Caesar - weitere unbenannte Quellen |
Kelten-Welten, Keltische Stätten in Deutschland e.V. Zusammenschluss von Stätten mit keltischer Geschichte in Deutschland und dem benachbarten Ausland. Beteiligt sind Kommunen, auf deren Gebiet Fundorte der keltischen Epoche liegen, Verbände, Museen, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Landesämter f. Denkmalpflege. |
|
Ausstellung:
Das Leben der Kelten in der Eisenzeit vor 2500 Jahren. Eine Ausstellung im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Endete am 21. August 2011. Sehr guter Ausstellungskatalog verfügbar - Empfehlenswert! |
![]() |
|
Das Keltenjahr 2012
Große Landesausstellung in Baden-Württemberg - "Die Welt der Kelten" 15.09.2012 - 17.02.2013 in Stuttgart Web: Landesausstellung 2012 Das Landesdenkmalamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart hat in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern e.V., dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg, dem Förderkreis Archäologie in Baden e.V. und den KeltenWelten e.V. ein umfangreiches Begleitprogramm zusammengestellt. Web: www.keltenjahr2012.de |
©tz, thz-historia.de, 2011



![Kelten, spätes 5.Jh. v.Chr. - ©OSPREY Military - Häuptling [1] mit wohlhabendem Krieger [2] und Stammesangehörigen [3] gemäss archäologischen Funden aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. Der Brustharnisch [Pectorale] des Häuptlings ist für Italien typisch. Darsteller [2] trägt einen Helm im Negau Stil. Original: Negauer Helm von Daone im Museo di Santa Giulia, Brescia. [Pectorale] Metallplatte, die als einfacher Panzerschutz im Kampf vor dem Brustkorb getragen wurde. In der Frühzeit des römischen Reiches war das Pectorale die übliche Körperpanzerung der unteren Zensusklassen. Kelten, spätes 5.Jh. v.Chr. - ©OSPREY Military - Häuptling [1] mit wohlhabendem Krieger [2] und Stammesangehörigen [3] gemäss archäologischen Funden aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. Der Brustharnisch [Pectorale] des Häuptlings ist für Italien typisch. Darsteller [2] trägt einen Helm im Negau Stil. Original: Negauer Helm von Daone im Museo di Santa Giulia, Brescia. [Pectorale] Metallplatte, die als einfacher Panzerschutz im Kampf vor dem Brustkorb getragen wurde. In der Frühzeit des römischen Reiches war das Pectorale die übliche Körperpanzerung der unteren Zensusklassen.](../../../_pics/698/kelten_5jh_vChr.jpg)







Keltischer Schild - La-Tène-Periode (Replika) ©armamentarium.de

©geolas.com - rechnergestützte Auswertung von LIDAR-Scan-Daten - Visualisierung von abgeleiteten Modellen (DOM, DTM, DGM). LIDAR-Scan-Technologie durchdringt bewaldete Gebiete bis zum Erdboden (last echos); Vegetationsschichten und Bebauung können rechnergestützt entfernt werden und ermöglichen erweiterte Einblicke in die Topographie des Geländes.








Keltischer Schild - La-Tène-Periode (Replika) ©armamentarium.de



Darstellung des keltischen Gottes Cernunnos (Celticum) auf dem Kessel von Gundestrup. Das Hirschgeweih taucht als ritueller Gegenstand auch in Opfergruben/-brunnen auf.

